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Warum „Lass den Kopf nicht hängen“ in einer Krise nicht funktioniert & wie sich Menschen in Krisen verhalten.

Jeder wird im Laufe seines Lebens mit Krisen konfrontiert: mal sind es kleine Herausforderungen, manchmal gewaltige Lebenskrisen. Gerade in der derzeitigen Situation der Welt, werden viele Menschen in eine Krise gestürzt. Wie stark diese Krise wahrgenommen wird, hängt allein vom Betroffenen ab und ist stark subjektiv. Verständnis von Außen ist also hilfreicher als Beschwichtigung. In diesem Text geht es darum, wie wir Menschen mit Krisen umgehen und was die Verhaltensmuster sind, die in der Regel sofort einsetzen.

 

 

Die Liste von Situationen, die wir üblicherweise als Lebenskrisen bezeichnen, ist lang:

  • Kündigung des Jobs
  • Verlassen werden durch den Partner
  • Schwere Krankheit
  • Schwerer Unfall
  • Bedrohung der beruflichen Existenz bei Selbstständigen
  • Tod eines geliebten Menschen
  • Mobbing
  • Sinnkrise, beruflich oder privat

In vielen Fällen wird eine Lebenskrise auch noch von einer Identitätskrise begleiten. Menschen stellen dann nicht nur die äußeren Umstände in Frage, sondern auch sich selbst als Person. 

 

Doch was bedeutet das Wort „Krise“ überhaupt?

Krise leitet sich vom Griechischen krínein ab und bedeutet so viel wie „entscheidende Wendung“ oder „Wendepunkt“. Eine Krise kann dabei aus dem Außen herbeigeführt werden (Job, Unfall, …) oder im Innen entstehen (Sinnkrise). Doch wo auch immer die Ursache liegt, die Krise bedingt eine existenzielle Wendung im Leben. Das alte Leben existiert nicht mehr oder wurde vollkommen auf den Kopf gestellt. Das bedeutet auch, dass all die Mechanismen, die sich die Menschen über die Jahre angeeignet haben, um ihr Leben zufriedenstellend zu leben, nicht mehr funktionieren. 

 

Wichtig finde ich noch zu sagen, dass die Schwere einer Krise immer subjektiv ist. Das bedeutet, dass allein der Betroffene sagen kann, wie schlimm es ihm geht. Und dies gilt es unbedingt zu respektieren. Denn das am wenigstens hilfreichste, was wir einem krisengeplagten Menschen sagen können ist: „Das ist doch gar nicht so schlimm.“ 

 

Ich selbst wurde durch meine Krebsdiagnose sowohl in eine gesundheitliche, als auch in eine berufliche und Sinn-Krise gestürzt. Ich möchte die folgenden Zeilen nutzen, um zu beschreiben, wie die meisten Menschen, ich eingeschlossen, mit Krisen umgehen. Am Ende folgt ein kleiner Ausblick zu Wegen aus der Krise. 

 

Wie reagieren Menschen üblicherweise auf Krisen?

 

Schock.

„…“

Der Schock trifft häufig kurz nach dem Erkennen einer Krise ein. In diesem Zustand sind Menschen handlungsunfähig und können weder denken noch fühlen. Im Schock können Menschen selten darüber sprechen, wie es ihnen geht. Der extreme Zustand des Schocks dauert in der Regel nicht länger als ein paar Tage an. 

 

 

Überforderung.

„Ich schaffe es einfach nicht.“

Menschen in einer Krise sind oft total überfordert mit sich, der Situation und den Dingen, die sie normalerweise mit Leichtigkeit nebenbei machen. Es fällt schwer, einen normalen Alltag zu leben, wenn das Gefühl besteht, dass das alte Leben nicht mehr existiert. Die Folge ist oft Traurigkeit oder Reizbarkeit, weil diese Personen das Gefühl haben, es einfach nicht auf die Reihe zu bekommen. 

 

 

Selbstanklage.

„Ich bin doch selbst schuld an meiner Situation.“

Wer früh gelernt hat, dass er an vielen Dingen Schuld ist, wird sich auch in der Krise erst einmal selbst anklagen. Diese Anklagen werden oft laut ausgesprochen, in der „Hoffnung“, dass sie jemand im Außen bestätigt. 

 

 

Angst. Sorgen. Zweifel.

„Es kann nur noch schlimmer kommen.“

Menschen, die gerade mitten in einer Krise stecken, sehen natürlich viele negative Dinge. Der Fokus liegt bei den Problemen und das ist in dieser Ausnahmesituation auch ganz normal. Häufig können Menschen gar nicht mehr alles tun, was sie eigentlich tun möchten, weil sie Angst haben, auch noch den letzten Funken Sicherheit zu verlieren. Die Angst um die eigene Existenz weitet sich oft auch auf das Umfeld aus. Denn was dem Betroffenen passiert ist, könnte ja auch seinen Liebsten passieren (häufig bei Unfällen / Krankheit). 

 

 

Nervosität. Ruhelosigkeit.

„Ich darf mich jetzt nicht entspannen.“

Bewusst oder unbewusst erlauben sich viele Menschen in akuten Krisen nicht, zur Ruhe zu kommen. Dies hat vor allem 2 Ursachen. Zum einen, könnte der Vorwurf entstehen, der Betroffene tue nicht genug, um aus der Krise zu kommen. Zum anderen kommen in der Ruhe und Entspannung sehr viele Gedanken und Emotionen hoch, die schmerzhaft sind und die die Personen jetzt einfach nicht fühlen will oder kann. 

 

 

Funktionieren.

„Es ist alles gut, solange ich das tue, was verlangt wird.“

Eine der häufigsten Muster bei Krisen ist es, nach anfänglichem Schock oder Überforderung, irgendwann ins Funktionieren überzugehen. In dieser Phase erfüllen die Menschen alle Anforderungen, die im Außen an sie gestellt werden. Dafür kommt sogar oft noch Lob von bekannten Personen, weil die Betroffenen „so gut“ mit ihrer Krise umgehen. Doch häufig geht Funktionieren mit der Abspaltung / Unterdrückung der emotionalen Lasten und Schmerzen einher.

 

 

Kompensieren.

„Ach, das mit der Kündigung ist nicht so schlimm, ich habe ja immer noch (mein Motorrad, meine Kinder, meinen Wein, …)“

Auch eine Form des Nicht-Hinschauen-Wollens zu der Krise ist die Kompensation. Betroffenen kompensieren die Orientierungslosigkeit in der Krise mit einem Lebensbereich, der scheinbar noch normal läuft. Teilweise werden dafür auch neue Kompensationsmittel ins Leben gebracht, nicht selten auch Alkohol.

 

 

Krampfhaftes Wiederaufbau des alten Lebens.

„Wenn ich mich nur stark genug anstrenge, kommt mein altes Leben zurück.“

Häufig ist es so, dass das Leben der Menschen vor der Krise gar nicht schlecht war. Tritt eine Lebenskrise ein, verursacht selektive Wahrnehmung sogar noch eine Beschönigung des alten Zustandes. Da ist es ganz normal, dass die Menschen krampfhaft versuchen, ihr altes Leben wiederherzustellen. Dies kostet sehr viel Energie und ist einem Kampf gegen Windmühlen gleichzusetzen, denn das alte Leben gibt es ja bereits nicht mehr. 

 

 

All diese Reaktionen auf Krisen sind vollkommen normal. Die Betroffenen durchlaufen oft mehrere Phasen oder es existieren mehrere Reaktionen parallel. Das Bewusstsein, dass ihr Verhalten vollkommen menschlich ist, hilft oft schon, den Druck aus der Situation zu nehmen. Für Außenstehenden gilt es also vor allem darum, maximal emphatisch und mitfühlend zu sein. Mitleid stürzt den Betroffenen nur noch tiefer in sein Loch. 

 

WIe oben beschrieben ist die Reaktion auf eine Krise eine subjektive Geschichte. Deswegen funktionieren Sprüche á la „Jetzt bloß nicht den Kopf hängen lassen.“ nicht, auch wenn die Absicht des Senders gut ist. 

 

Wie kommt ein Mensch dann aus der Krise?

All die oben genannten Reaktionen haben eins gemein: Sie blenden die Chance aus, die in jeder Krise steckt. Die Chance für einen Neuanfang, für einen Reset und alles, was damit verbunden ist. Oft ist von außen gut erkennbar, welche Chancen für den Betroffenen bestehen. Doch er selbst kann es noch nicht sehen. Und das ist okay. Als derjenige, der den Menschen in einer Krise und auch die neuen Möglichkeiten sieht, ist vor allem Zurückhaltung und sanftes Anbieten von Unterstützung angesagt. Vor allem, wenn der Betroffenen nicht um Rat fragt. Ein „Wenn du bereit bist, dir anzuschauen, was jetzt Neues entstehen kann, bin ich für dich da.“ Ist schon vollkommen ausreichend.

 

Welche Möglichkeiten es gibt, eine Krise in eine Chance zu wandeln, dazu schreibe ich demnächst hier noch mehr. Du hast auch immer die Möglichkeit, direkt mit mir zu arbeiten, wenn du gerade in einer Krise steckst oder dein Kartenhaus selbst einreißen möchtest, weil du gemerkt hast, es passt nicht mehr.

 

Dazu führe ich kostenlose Gespräche zur Visions- und Chancenklärung durch - lass uns doch einfach sprechen.

 

 

In Liebe,

Victoria

 

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